Interaktives: Smiley und Fühlometer

Eine kleine Anekdote zum Anfang dieses Artikels: Im Dezember 1963 zeichnete der amerikanische Werbegrafiker Harvey Ball zwei Punkte und einen gebogenen Strich in einen gelben Kreis. Der Entwurf ist für eine Versicherungsgesellschaft bestimmt, die Ball beauftragt hat, ein Motiv für Anstecknadeln zu entwerfen, um das interne Betriebsklima zu heben. Das Smiley war geboren und Ball erhielt für seine Arbeit 45 Dollar.

Ein paar Jahre später meldet der französische Journalist Franklin Loufrani für einen leicht veränderten Entwurfes des Orginal Smileys weltweit Urheberrecht an und wird damit mehrfacher Millionär. Seine Firma Smiley Company erhält die Nutzungsrechte für das Smiley in über 80 Ländern und verdient mit Lizenzprodukten mittlerweile einen Jahresumsatz von über 100 Millionen US-Dollar.

Obwohl Harvey Ball, dem Erfinder des Original Smileys rechtlich gute Chancen eingeräumt werden gegen Smile Company zu klagen, verzichtete er auf seinen Anteil an den Millionen mit dem schönen Satz: “Ich kann nur ein Steak auf einmal essen und nur ein Auto auf einmal fahren. Wenn ich meine Grundbedürfnisse erfüllt habe, will ich an die anderen denken, denen es nicht so gut geht.”

Er gründet die World Smile Foundation, die weltweit Lizenzen vergibt und deren Erlöse für wohltätigen Organisationen und Veranstaltungen gespendet werden. Zu den Botschaftern der Stiftung gehören unter anderem Jackie Chan, Phil Collins, Yoko Ono oder Winnie Mandela, die das Vermächtnis von Harvey Ball († 2001) vertreten, um der Welt ein Lächeln zu spenden. Anekdote zu Ende.

Ob die Künstler Julius von Bismarck, Benjamin Maus und Richard Wilhelmer selber zu Botschaftern der World Smile Foundation zählen ist ungewiss. Ein Lächeln haben sie den Bewohnern der Kreisstadt Lindau mit Ihrem Projekt Fühl-o-meter allemal entlockt.

Die Medieninstallation, bestehend aus einem leuchtenden, überdimensionalen Smiley-Gesicht, wurde an der Krone des Leuchtturms in der Hafeneinfahrt von Lindau installiert, um verschiedene Gefühlsausdrücke direkt von den Gesichtern der Einwohner und Gästen Lindaus zu übertragen. Die Emotionen werden durch eine Fotokamera, die kontinuierlich eine bestimmte Stelle am Hafen beobachtet, aus Gesichtern ausgelesen, analysiert und an die Installation weitergeleitet.

Der Smiley imitiert anschließend die aufgezeichneten Emotionen. In programmierten zeitlichen Abständen reagiert die Installation auf den errechneten Querschnitt der Gefühlsregungen und gibt dadurch kontinuierlich Stimmungsbilder der Stadt ab. So beobachten sich Mensch und Kunstwerk gegenseitig: In der Interaktion zwischen Smiley und Betrachter entsteht eine Endlosschleife und eine vermittelte Kommunikation zwischen den Menschen der ganzen Stadt.

Von Bismarck, Maus und Wilhelmer erkunden mit ihrem Gemeinschaftswerk dabei neue Möglichkeiten, mit den Mitteln von Kunst und Technologie im öffentlichem Raum das Alltägliche zu unterlaufen.

Harvey Ball, so bin Ich mir sicher, hätte daran Gefallen gefunden. ☺

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